Praktika und Berufsorientierung

Handwerkspraktikum

Das Handwerkspraktikum stellt für den 9.-Klässler eine weitere Herausforderung auf dem Weg zu einem gesunden Verhältnis zur menschlichen Arbeit dar.

Hierzu ist der erste Schritt des Schülers, einen handwerklich ausgerichteten Betrieb in seinem nahen Lebensumfeld selbstständig auszuwählen. Ein tabellarischer Lebenslauf als Anlage zum Bewerbungsschreiben wird fächerübergreifend im Deutsch- und EDV-Unterricht erarbeitet. Die Wirtschaftskunde im Rahmen des Sozialkundeunterrichts bereitet ebenso auf die zweiwöchige praktische Arbeit vor.

Während dieses Praktikums gilt es täglich einen handschriftlich verfassten Tagesbericht über Erlebnisse und die verrichteten Arbeiten zu erstellen. Der Schüler steht im Kontakt mit dem betreuenden Lehrer, der ihn auch während des Praktikums im Handwerksbetrieb besucht.

Nach dieser Zeit findet eine detaillierte Nachbesprechung in der Klasse statt. So gewinnen die Schülerinnen und Schüler durch ihre Klassenkameraden einen Einblick in andere Handwerksbetriebe.

Zum Präsentationsabend gestaltet jeder Schüler individuell seinen Präsentationstisch: Berichtsheft, gefertigte Gegenstände, Fotos, Skizzen usw. - und stellt ihn den interessierten Besuchern im persönlichen Gespräch vor. Anschließend werden die fachlich differenziert aufbereiteten Beiträge zur Präsentation in möglichst frei gehaltenen Kurzreferaten vorgetragen. Unterstützt durch ansprechende Darstellungsmittel finden die im Handwerkspraktikum erworbenen Erfahrungen und Arbeitsqualitäten ihren speziellen und einmaligen Ausdruck.

Die bisher 6-jährige Erfahrung hat gezeigt, dass die Anspannung der Schüler im Vorfeld – schließlich bewerben sie sich zum ersten Mal und stellen sich einzeln, nicht im Klassenverband  den Anforderungen in einem fremden Umfeld – einer großen Zufriedenheit weicht: Sie haben sich außerhalb der Schule im ganz normalen Arbeitsleben bewährt und bekommen nicht selten Lehrstellenangebote, auf die der eine oder andere später sogar zurückgreift.

 

Landwirtschaftspraktikum

Die Schüler werden als 14- bis 15-Jährige in dieses Praktikum entsendet. In diesem Alter haben die jungen Menschen eine erste Einführung in die sie umgebende Kultur und Lebenswelt abgeschlossen. Hinsichtlich ihrer sozialen Fähigkeiten, aber auch ihrer Möglichkeiten des konkreten sozialen Handelns können sie sich nun auf eine ihnen unbekannte soziale Situation einlassen und sich dort bewähren.

Das Alter ist auch durch ein erhebliches Anwachsen der leiblichen Kräfte gekennzeichnet, die erprobt werden wollen und müssen. Die Stallarbeit oder die Arbeit auf dem Acker wird oft zu einem Schwellenerlebnis, bei dem sich die jungen Menschen zu einem positiven Verhältnis zu ihrem Körper regelrecht durcharbeiten müssen: Schließlich ist aber nichts befriedigender, als dass die eigenen Leibeskräfte für Arbeiten eingesetzt werden, die unmittelbar als sinnvoll erlebt werden.

Die Arbeit mit der Natur in Form einer Zusammenarbeit mit Nutzpflanzen und Nutztieren wird unmittelbar zum Grunderlebnis, dass die Natur uns Menschen trägt, indem sie uns ernährt. Die Schüler sind beeindruckt und beglückt von der Erfahrung der Beständigkeit der landwirtschaftlichen Verhältnisse: die Tiere müssen täglich versorgt werden, jeder Mitarbeiter auf landwirtschaftlichen Betrieben bekommt das berechtigte Gefühl, dass er gebraucht wird.

Die Erfahrung zeigt, dass die jungen Menschen nicht nur körperlich gekräftigt, sondern vor allem in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt aus dem Landwirtschaftspraktikum zurückkehren. Die Erfahrung, eine solche Hürde überwunden zu haben, als die das Praktikum im Vorhinein immer erlebt wird, gewährt den jungen Menschen ein großes Vertrauen in die eigenen Kräfte.

Zurück in der Schule folgen Nachbesprechung und Präsentation.

 

Industriepraktikum

Das Industriepraktikum ist ein Schwerpunkt der Waldorfschule Aalen. Damit soll die Besonderheit des industriell geprägten Standortes für die Schüler zum Erfahrungsraum werden.

Die Schüler bewerben sich bei einem selbst gewählten Industriebetrieb oder sie bekommen nach Absprache einen Betrieb zugewiesen.Der Betreuungslehrer hält Kontakt mit den Betrieben und bereitet die Schüler im Rahmen des Sozialkundeunterrichts auf das Praktikum vor. In den zwei Praktikumswochen können die Schüler durch eigene Anschauung komplexe arbeitsteilige Produktionsvorgänge verstehen lernen. Vom jeweils erlebten Ausschnitt der eigenen Praktikumsstellen erschließen sie sich die übergreifenden Produktionszusammenhänge – von der Herkunft der Rohwaren über die wesentlichen Produktionsschritte bis zum Kunden.

Auf der Grundlage ihres täglich geführten Berichtshefts legen die Schüler in der abschließenden Präsentation im Powerpointformat Rechenschaft über die gesammelten Erfahrungen ab.

Für viele Schüler hat dieses Praktikum Aufwachfunktion: Sie erkennen, dass schulischer Erfolg die Voraussetzung für ein befriedigendes Berufsleben ist. Bei einer späteren Bewerbung um einen Ausbildungsplatz verweist manch einer im Lebenslauf auf das Industriepraktikum.

 

Vermessungspraktikum

Das Vermessungspraktikum in der 10. Klasse ist gleichzeitig auch eine Klassenfahrt.

Eine Unterkunft wird in einer landschaftlich schönen Gegend gesucht ( bisherige Erfahrungen in der Lausitz und auf Hallig Hooge ) und 12 Tage lang wird intensiv gearbeitet, gemessen, gerechnet und kartiert und am Ende hat jeder Schüler eine exakte farbige Karte gezeichnet.

Vermessungspraktikum

Die Vermessung hat die Menschen schon immer beschäftigt, sei es die Vermessung des Himmels, der Erde oder der Landschaften mit ihren Besonderheiten. Grundlage der Vermessung ist die Geometrie und die Trigonometrie. Somit ist unser Vermessungspraktikum angewandte Mathematik.Der Umgang mit Theodolit, Kompass, Winkelprisma, Maßband, Meßlatten und Fluchtstäben erfordert Geschick. Gearbeitet wird im Gelände bei jedem Wetter.

Die Schüler arbeiten in Gruppen und die vielen einzelnen Messergebnisse ergeben die Grundlage für die Karten.

Vermessungspraktikum  Vermessungspraktikum Vermessungspraktikum

An der Nordsee bietet sich auch die Gelegenheit für eine astronomische Ortsbestimmung.

Klassenfahrt bedeutet natürlich auch Ausflüge und Unternehmungen. Einen anderen Teil Deutschlands kennen zu lernen, ist immer eine interessante Erfahrung. 

So sind die zwölf Tage Vermessungspraktikum eine arbeits- und erlebnisreiche Zeit.

  

Neigungspraktikum

Das erste Praktikum in der 11. Klasse ist das Neigungspraktikum. Es bietet die Chance, in einem Berufsfeld eigener Wahl zu erproben, inwieweit die bisher entwickelten Neigungen und Interessen Grundlage der zukünftigen beruflichen Tätigkeit sein können. Alle Erfahrungen und Kenntnisse der vorangegangenen Praktika werden herangezogen, um eigenverantwortlich einen Platz zu bekommen und die zweiwöchige Arbeit zu gestalten.

Die Schülerinnen und Schüler werden durch den Praktikumsbetreuer bzw. die -betreuerin auf diese anspruchsvolle und in die Zukunft weisende Zeit in zahlreichen vorangehenden Schulstunden vorbereitet. Dazu werden auch Eltern eingeladen, um über ihren Werdegang und ihre berufliche Arbeit zu berichten. In Einzelgesprächen werden die Zukunftswünsche, Ideen, Fähigkeiten und Lebenstatsachen herauskristallisiert.

Bei einem Besuch im Berufsinformationszentrum (BIZ) können sich Schülerinnen und Schüler mit der Vielfalt der Berufe vertraut machen und beraten lassen. Mit Einverständnis der Eltern können sie das Neigungspraktikum in einer anderen Stadt oder sogar in einem anderen Land machen.

Die Jugendlichen bekommen für die Praktikumszeit detaillierte Aufgaben von ihrem Betreuungslehrer, die sowohl den Betrieb und seine Beziehung zum Umfeld als auch die Reflexionen der eigenen Erlebnisse und Erfahrungen beinhalten. Sie erstellen Tagesberichte und bearbeiten die Aufgaben. Der Betreuer stattet in der Regel bis ca. 100 km einen Betriebsbesuch ab.

Entsprechend vielfältig fallen die Erfahrungsberichte, meist in Form eines Kolloquiums, aus. Schülerinnen und Schüler unterer Jahrgangsstufen können sich hier auch schon über die gewählten Berufsfelder und Praktikumsplätze informieren.

 

Sozialpraktikum

Das zweite Praktikum in der 11. Klasse ist das Sozialpraktikum. Es dauert vier Wochen, eine Ferienwoche ist einbezogen. Die Schüler arbeiten in einer sozialen Einrichtung, deren Ausrichtung den Interessen des Schülers entspricht.  Sie kann in der näheren Umgebung (zu Hause wohnen), an einem entfernten Ort (dort wohnen) oder im Ausland sein (gute Fremdsprachenkenntnis ist erforderlich). Den Schülern soll die Erfahrung ermöglicht werden, dass sie mit 17 Jahren anderen Menschen beistehen und selbst menschliche Beziehungen verantwortlich gestalten können. Sie begeben sich in einen sozialen Raum, in dem nun nicht mehr sie selbst, sondern andere das Ziel der Bemühungen sind. Dieser Perspektivenwechsel trägt wesentlich zur Reifung der jugendlichen Persönlichkeit bei.

Der betreuende Lehrer bereitet das Praktikum gemeinsam mit den Schülern inhaltlich vor und berät sie bei der Auswahl eines passenden Praktikumsplatzes. Außerdem besucht er sie nach Möglichkeit vor Ort. Bei zu großen Entfernungen wird Kontakt gehalten.

Nach dem Praktikum findet ein Gesprächsforum statt, bei dem Eltern, aber auch Mitschüler und Freunde der Schüler und Schülerinnen eingeladen sind, nach den einführenden Berichten Fragen zu stellen. Meist ergibt sich ein lebhafter Erfahrungsaustausch.

 

NWP Naturwissenschaftliches Praktikum

In den Klassen 10 + 11 gehört bei uns das naturwissenschaftliche Praktikum in den Fächerkanon des Stundenplanes.

In der 10. Klasse erüben die Schüler chemische, biologische und physikalische Grundarbeitstechniken. Es wird mikroskopiert, chemische und physikalische Versuche werden mit Beratung selber geplant und durchgeführt.

Durch Auseinandernehmen und – wenn möglich- wieder zusammen bauen erwerben sich die Schüler ein Grundverständnis über die Funktions- und Arbeitsweise verschiedener technischer Apparate.

In der 11. Klasse findet das erworbene Wissen Anwendung im „Hirschbachprojekt“.

Am Oberlauf des Hirschbaches werden biologische und chemische Untersuchungen durchgeführt, ökologische Zusammenhänge vor Ort erarbeitet und das Ökosystem nach Bedarf in seiner naturnahen Ausprägung unterstützt und gepflegt.