Vorstellung

Kurze Gründungs- und Schulgeschichte der
Freien Waldorfschule Aalen

Bis zum Jahr 1998 hatten Aalener Waldorfschüler einen langen Schulweg:
Sie mussten mit dem Zug bis nach Heidenheim oder Schwäbisch Gmünd fahren. Obwohl es bereits seit 1981 in Aalen einen Waldorfkindergarten gab, gingen noch etliche Jahre ins Land, bis auch hier eine Waldorfschule entstehen sollte.

 

Am 11. November 1997 (dies war kein Faschingsscherz) gründeten neun Personen nach zweijähriger Vorarbeit als Schulgründungsinitiative den Verein Freie Waldorfschule Aalen e.V. als Träger einer neu zu gründenden Waldorfschule in Aalen. Die Heidenheimer Waldorfschule bot sich als Patenschule an und unterstützte die Bemühungen des Vereins. Das Entscheidende war natürlich die Lehrersuche und vor allem das Finden eines Gründungslehrers. Schließlich wurde mit Andreas Pelzer die geeignete Persönlichkeit gewonnen. Auf der Suche nach Räumlichkeiten war die Stadt Aalen durch ihren damaligen Ersten Bürgermeister, Dr. Schwerdtner, behilflich. Noch vieles war zu regeln, Schulmobiliar zu besorgen, ein Raum zu gestalten und weitere Lehrer anzuwerben. Dies galt auch als Voraussetzung für eine Zustimmung seitens der Delegiertenversammlung des Bundes der Freien Waldorfschulen. Doch nicht zuletzt der Enthusiasmus einer noch kleinen Elternschaft zusammen mit dem diplomatischen Geschick des Gründungslehrers und des Geschäftsführers, Stefan Heusel, machte es möglich, dass im Herbst 1998 eine erste Klasse mit dem Unterricht beginnen konnte. Untergebracht waren die Kinder in einem Nebenraum der Max-Eyth-Halle neben der Schillerschule auf dem Galgenberg.

 

Andreas Pelzer stand als erster Klassenlehrer jeden Morgen auf seinem Posten, nicht nur als Unterrichtender, sondern auch als Anlauf- und Kontaktstelle für Kinder, Eltern und Kollegen. Die wenigen Fachlehrer kamen vorerst ja nur stundenweise. Wie ein zartes, aber gesundes Küken verlebte die junge, einklassige Schule ihr erstes Jahr.

 

Wohin nun mit zwei Klassen im folgenden Schuljahr? Auf dem Gelände des Schulzentrums auf dem Galgenberg stand eine alte Holzbaracke mit vier Klassenräumen. Der Schulverein konnte sie für einen kleinen symbolischen Betrag von der Stadt mieten. Wieder stürzte sich die Elternschaft in die Freuden des Renovierens und Herrichtens. Es war auch dringend nötig, denn das abgesackte Gebäude musste erst einmal mit Hilfe von LKW-Wagenhebern in eine horizontale Lage befördert werden…

Pavillon

(Pavillon)

Diese Baracke erhielt die aufwertende Bezeichnung „Pavillon“ – und wurde als solcher noch viele Jahre genutzt. Sogar eine Küche mit Durchreiche wurde eingebaut für den Kinderhort, der unter Leitung von Elke Lorin die Ganztagsbetreuung möglich machte. Der eine der beiden kleinen Nebenräume diente als Lehrerzimmer, Bibliothek und auch als Heileurythmie-Raum, das andere Zimmer wurde als Sekretariat eingerichtet, in welchem die umsichtige und geduldige Margret Düwel ihre Arbeit als Schulsekretärin begann.

 

Die nächste erste Klasse übernahm Matthias Abele und im darauf folgenden Jahr wechselte Peter Singer als Klassenlehrer von der Heidenheimer an die Aalener Schule über. Jetzt war die Schule mit bereits über 60 Schülern in drei Klassen im renovierten Pavillon eine „richtige“ Schule!

1. Bauabschnitt

(Planung Hauptgebäude)

Inzwischen liefen die Sitzungen des Architektur-Baukreises auf Hochtouren, denn die Schule platzte aus allen Nähten und ein Neubau musste her! Die Stadt Aalen stellte im Hirschbachtal das Gelände der ehemaligen Baufirma Claus zur Verfügung. Umfangreiche Abriss- und Sanierungsarbeiten waren nötig, bis 2001 der erste Spatenstich erfolgte.

Herrn Pelzers Klasse musste vorübergehend in einen improvisierten  Raum in der Firma „Hachtel“ ausgelagert werden.

 

Es war ein Wettlauf mit der Zeit, doch zu Schuljahresbeginn 2002/03 konnten die vierte und die fünfte Klasse ihre Räume im Neubau beziehen, während der Innenausbau unter Einsatz aller Kräfte von Eltern und Lehrern weiter ging. Im Januar 2003 erfolgte schließlich die Einweihung mit einem großen Schulfest. Viele Honoratioren seitens der Stadt und der Schulbehörde waren anwesend und überbrachten ihre Grußworte. Auf der Festschrift zur Eröffnung der Schule im September 1998 hatte gestanden:
Von der Vision zur Wirklichkeit. Niemand hätte gedacht, dass dieser Schritt in nur fünf Jahren geschafft sein würde. Aber die Schule hatte nun tatsächlich ihr eigenes Domizil.

1. Bauabschnitt 1. Bauabschnitt

(1. Bauabschnitt)

Die Geländegestaltung ließ noch auf sich warten; deshalb stand das nagelneue Schulgebäude erstmal inmitten einer Schlammwüste! Für die Kinder war das kein Problem; sie stiefelten unbekümmert im Matsch herum, dass einem nur so graute! Zum Freibad hin war der Grund fest, aber noch voller Hinterlassenschaften durch den Abriss der vormaligen maroden Gebäude, - und für die Schüler somit unvermutet ein wahrer Abenteuerspielplatz!

2. Bauabschnitt 2. Bauabschnitt

(2. Bauabschnitt)

Die zusätzlich angemieteten Räume im gegenüber liegenden Hachtel-Gebäude waren für die rasch wachsende Schule unentbehrlich geworden: Eine ganze Etage konnte etappenweise ausgebaut werden. Der Schülerhort und die Schulküche wurden dort untergebracht. Später fanden der Handarbeitsunterricht, das Werken, das Plastizieren, das Kupfertreiben und die Kerzenwerkstatt ihre Bleibe in den vormaligen Fabrikräumen.

Schulküche Hachtel

(Schulküche im Hachtelgebäude)

Nun waren es bereits drei Schulstandorte! Eine weitere schulische Lernstätte wurde der nahe gelegene Schulgarten: Zu unserem großen Glück konnte eine Hangwiese hinter dem Freibad gepachtet werden, ergänzt durch weitere Wiesen der Familien Barth und Seybold.  Nach und nach entstanden auch dort mit Elternbeteiligung und -spenden die notwendigen Einrichtungen und Gebäude: Steinmauern, Wege, Folienhaus, Schuppen, Erdkeller, Bienenhaus, Backhaus…

Hauptgebäude

(Hauptgebäude bestehend aus 1. + 2. Bauabschnitt)

Das Projekt „Oberstufe“ rückte näher und beschäftigte Lehrerschaft wie Eltern. Jetzt, wo es konkret wurde, tauchten in der Elternschaft Fragen auf: Wird mein Kind hier wirklich seinen Abschluss machen können?

 

Inzwischen hatte sich das Lehrerkollegium mehr als verdoppelt, und die Einrichtung einer Oberstufe kam einer zweiten Schulgründung gleich:

Es galt Pädagogen zu finden, die Deutsch, Geschichte, Erdkunde, Sozialkunde, Mathematik und Naturwissenschaften unterrichten konnten. Das Versprechen, bei uns könne man alle staatlichen anerkannten Abschlüsse erreichen, musste eingelöst werden. Gleichzeitig sollte diese Oberstufe auch eine besondere Prägung durch ihre berufsbildende Ausrichtung mittels zahlreicher Praktika erhalten. Das erforderte eine Menge interner Konzeptarbeit.

 

Die werdende Oberstufe hatte Glück: Sie fand ihre Gründungslehrerin in  Annelene Bast von der Waldorfschule Schwäbisch Gmünd. Frau Bast brachte die nötige Erfahrung mit und stand lange Zeit wie ein Fels in der Brandung, was all die Fragen und zu lösenden Aufgaben rund um die Oberstufe und Abschlüsse betraf. Anstelle von Enthusiasmus und   Zukunftsoptimismus wie damals bei der Schulgründung  herrschte in der Elternschaft der oberen Klassen eine spürbare Bangigkeit, ob denn alles auch richtig laufen werde. Noch gab es keine Klassen 12 und 13, noch waren keine Abschlüsse erreicht worden. Durch dieses Neuland musste die Schule jetzt hindurch!

 

Mit dem Anwachsen der Schülerzahl und des Kollegiums wurden neue Strukturen für die Schulführung erforderlich. Die Gesamtkonferenz der Lehrer wählte ein vierköpfiges Gremium, die Schulleitung. Dadurch wurde eine nachhaltige Personalführung ermöglicht und eine Anlaufstelle geschaffen, wo die unvermeidlichen zwischenmenschlichen Konflikte aufgegriffen und geklärt werden konnten. Schmerzliche Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Lehrern mussten durchgestanden werden. Vereinzelte Lehrkräfte hatten sich zudem den Aufgaben nicht gewachsen gezeigt und verließen die Schule wieder. Umso mehr ist jenen Eltern und Schülern zu danken, die der Schule in dieser schwierigen Phase die Treue gehalten und das Vertrauen in die Waldorfpädagogik bewahrt haben.

 

Schließlich gab es dann Licht am Ende des Tunnels: 2011 absolvierten die ersten Zwölftklässler ihre Mittlere Reife, gleichzeitig wurden die Prüfungen für die Fachhoch-schulreife abgelegt. Im Jahre 2012 standen schließlich fünf strahlende Abiturientinnen vor der versammelten Schule auf der Bühne und durften ihre Abiturzeugnisse in Empfang nehmen! Somit war auch dieses Ziel erreicht.

Oberstufengebäude Oberstufengebäude

(Spatenstich und Bau Oberstufengebäude)

Die Schulräumlichkeiten waren inzwischen wieder viel zu knapp geworden. 2006 hatte der Neubau durch Bundeszuschüsse für die Ganztagesschule (IZZB) nochmals erheblich erweitert werden können: Neue Schulräume, ein Eurythmiesaal und vor allem eine Mensa wurden angebaut. Dennoch reichte der Platz längst nicht mehr aus: Klassen und Gruppen mussten auf den Fluren, auf der Bühne oder in der Mensa unterrichtet werden.

Oberstufengebäude Oberstufengebäude

(Richtfest und fertiges Oberstufengebäude)

So entschloss sich der Schulvorstand kurzfristig zu einer weiteren Baumaßnahme: einem Oberstufenhaus. Nach dem Spatenstich im Beisein der gesamten Schule im Frühjahr 2012 wurde das Gebäude innerhalb weniger Monate hochgezogen und ausgebaut. Dank des unermüdlichen  Ferieneinsatzes des Hausmeisters Alwin Nestler konnte es  im Herbst durch die Klassen 11-13 rechtzeitig bezogen werden. Gleichzeitig wurden drei Räume im Untergeschoß des Hauptgebäudes umgestaltet und dafür hergerichtet, die Klassen 1 bis 3 aufzunehmen. So durften diese den Pavillon auf dem Galgenberg nun endgültig verlassen und ins Haupthaus übersiedeln. Seit 2013 befindet sich die gesamte Schülerschaft in dreizehn Klassen nunmehr am selben Schulstandort.

Unterstufe Unterstufe

(Umbau Unterstufe)

Das Oberstufenhaus ist erst Teilstück eines weiteren Bauabschnittes, der unserer Schule in der Zukunft die noch fehlenden eigenen Räumlichkeiten bieten wird. Dann können auch die Provisorien im Hachtelgebäude  eines Tages aufgegeben werden. Derzeit beträgt die Schülerzahl ca. 300, die der Lehrkräfte und sonstigen Mitarbeiter/innen 52.        

 

Peter Singer
März 2014