Klassenspiel Klasse 12 - 2013

Die zwölfte Klasse präsentierte am 18. und 19. Oktober 2013 ein gesellschaftskritisches Stück von Elias Canetti

Die Befristeten

Was passiert mit einer Gesellschaft, in der jeder seinen Todeszeitpunkt,  seinen vorbestimmten „Augenblick“ kennt? Welche Konflikte entstehen, wenn durch die Lebensspanne als Namen das Sterbedatum öffentlich wird? Wie eine Welt unter solchen Bedingungen aussehen kann, zeigten die Schüler mit ihrem Zwölft-Klassenspiel und bearbeiteten damit zwei schwierige Themen, die des „Massenphänomens und des Todes…

In einer verschlossenen Kapsel trägt jeder Mensch sein Leben lang sein Geburts- und Sterbedatum um den Hals. Die Höhe des Geburtsnamens bestimmt den Wert des Menschen. Wer als 96 geboren wird, hat Glück und führt ein privilegiertes Leben, doch was passiert mit einer 25 oder gar einer 10? Die Macht darüber, diese zu öffnen oder dafür zu sorgen, dass jeder zu seiner vorbestimmten Zeit stirbt, obliegt allein dem Kapselan, dem Herrscher dieser totalitären Gesellschaft. Ein Einzelner jedoch beginnt zu zweifeln und möchte erfahren, was passiert, wenn man einfach über seine „Zahl“ hinaus weiterlebt. Mit seinen unangenehmen Fragen wird er  zum Staatsfeind und öffnet schließlich seine Kapsel und erlebt eine Überraschung...
Elias Canetti, der 1905 geboren wurde und dieses Stück  Anfang der 60er Jahre schrieb, beschäftigte sich auch in anderen Stücken mit dem Tod, dem Phänomen der Masse und dem Ausüben von Macht.
Interessant an diesem Stück sind unter anderem die unaufgelösten Widersprüche, die besonders in diesem Alter der Schüler auch bewusst im realen Leben wahrgenommen werden.
Da es nur wenige vorgegebene Regieanweisungen gab, erfanden die Lehrerin Lena Bast und ihre Schüler die passende „Realität“ zum Stück und "erschufen" eine völlig offene Bühne mit nur kleinen privaten Rückzugsmöglichkeiten. Regie führte zwar die Lehrerin, die Ausarbeitung ihrer Rollen lag jedoch bei den Schülern allein. 
Für die Zuschauer war es ein spannendes Stück, besonders beim Öffnen der Kapsel, sah man sehr neugierige Blicke. Ein kurzweiliges, spannend inszeniertes und gekonnt gespieltes Klassenspiel.
Birgit Gawalleck